Das SZ-Briefing am Morgen – jetzt lesen!
Sollte der Newsletter nicht angezeigt werden, klicken Sie bitte hier.
szmtag
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Liebe Leserin, lieber Leser,
 
viele Eltern erziehen mit Wenn-Dann-Sätzen – ich auch. Erst gestern habe ich wieder zu meiner Tochter gesagt: „Wenn du nicht sofort dein Zimmer aufräumst, verkaufe ich den ganzen Kram auf dem Flohmarkt.“ Zu meinem pädagogisch nur bedingt wertvollem Standard-Repertoire gehören außerdem:

„Wenn du beim Schlafanzug anziehen ganz schnell bist, kannst du länger fernsehen.“
„Wenn du noch einmal mit den Nudeln wirfst, ist das Essen für dich vorbei.“
„Wenn du dich nicht sofort wieder mit der Theresa verträgst, laden wir nie wieder Kinder zum Spielen ein.“

Das sei emotionale Erpressung, rief mir mal eine andere Mutter zu. So ein Quatsch, dachte ich - so geht nun mal konsequente Erziehung. Doch in letzter Zeit sind mir einige Texte untergekommen, in denen Wenn-Dann-Sätze und das Erziehen mit Belohnungen generell kritisiert werden. Die Autorinnen Katja Seide und Danielle Graf, Autorinnen des Pädagogik-Blogs „Gewünschtestes Wunschkind“, lehnen sogar die anderswo empfohlenen "logischen Konsequenzen" ab. Sie sind der Meinung, dass Kinder freiwillig kooperieren.

Als ich ihren Text las, dachte ich mir nur: Meine nicht. Und: Wie soll ich es denn sonst machen?

Das weiß ich immer noch nicht, doch je länger ich über die Argumente der Wenn-Dann-Kritikerinnen nachdenke, desto plausibler erscheinen sie mir. Auch, weil mir immer klarer wird, dass ich die Wenn-Dann-Keule immer dann schwenke, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Till Raether schrieb mal diesen sehr lustigen Text darüber, dass Eltern mit solchen Sätzen ihren endgültigen Erziehungsbankrott demonstrieren.

Es tröstet mich, dass ich in meinem Dilettantismus nicht alleine bin. Denn eigentlich gilt beim Elternsein doch nur eins: Mach, was du für richtig hältst. Solange, bis du es besser weißt. Dann mach es besser.

Bis dahin halte ich mich an Wenn-Dann-Sätze, die immer richtig sind: Wenn die Sonne scheint, wird es warm. Wenn es Freitag ist, ist bald Wochenende. Und wenn wir an einem sonnigen Wochenende zusammen Eisessen gehen, bekommen wir gute Laune.

Was halten Sie von Wenn-Dann-Sätzen? Sind sie ein adäquates Mittel der Kindererziehung, weil Konsequenzen nun mal sein müssen? Oder sind solche Sätze immer emotionale Erpressung und wir Eltern sollten sie vermeiden? Und welchen Wenn-Dann-Satz würden Sie niemals sagen?

 
Ich freue mich auf Ihr Feedback. Wenn ich keine Antworten bekomme, schreibe ich Ihnen nie wieder einen Newsletter.

Emotional erpresserische Grüße von Ihrer
Barbara Vorsamer

PS: Auf der Familienseite in der Samstagsausgabe stellen wir Ihnen diese Woche die erste Demokratie-Kita Deutschlands vor und das Familien-Trio muss die Frage beantworten, ob es egoistisch ist, wenn sich eine alleinstehende Frau künstlich befruchten lässt (ab 19h online verfügbar). Und die SZ für Kinder erklärt anlässlich der Documenta, warum Kunst oft so aussieht, als könnte das auch die kleine Schwester malen - mit verbundenen Augen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Mehr Familienthemen aus der SZ
 

 
 
 
 
 
 
Kann man Liebe zerreden?
Drei Paartherapeuten packen aus: Wer bei ihnen Hilfe sucht, wie wichtig Sex wirklich für Beziehungen ist und warum immer mehr Männer die Initiative zu einer Therapie ergreifen.
Dieser Text stammt aus dem Magazin SZ Familie. Hier das Heft abonnieren oder Einzeltext mit SZ Plus lesen
 
 
 
 
 
"Papa, du bist nicht lustig!"
Unsere Autorin kann einfach nicht über die Witze lachen, die ihre Eltern machen. Dabei würde sie gerne.
zum Artikel
 
 
 
 
 
Sollen wir unserem Sohn sagen, dass sein Youtube-Kanal langweilig ist?
Der 14-Jährige filmt gerne und will sein Leben im Netz dokumentieren. Seine Mutter findet das peinlich. Was tun? Drei Experten geben Rat.
zum Artikel
 
 
 
Noch nicht genug Lesestoff? Mehr Familien-Texte gibt es hier.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Lesetipps aus dem Netz
 
„Die Kinder wollen dich nicht sehen“: Wie es sich für Eltern anfühlt, nach der Trennung den Kontakt zu ihren Kindern zu verlieren, hat Andrea Müller für das Zeit Magazin beschrieben.  

Home Office gilt oft als DIE Lösung, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Aber klappt das wirklich – und wenn ja, wie? Melanie vom Blog "Glücklich Scheitern" sammelt hier Erfahrungsberichte.

Wenn andere Eltern ihre Kindern in der Öffentlichkeit unmöglich behandeln – soll man sich einmischen? Bloggerin MimiMenschlein war in einer schwierigen Situation.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Haben Sie Anregungen?
Kontaktieren Sie mich unter barbara.vorsamer@sz.de
 
Diesen Newsletter teilen:
 
Newsletter per Mail empfehlen
 
 
 
 
 
zur Startseite von SZ.de